Vegan-Schnelltest
Manchmal wäre es doch sehr praktisch einen Schnell-Test zu Hand zu haben welcher eindeutig die genauen Inhaltsstoffe einer Speise angeben kann. Zumindest ob es darin tierische Bestandteile hat, wäre in gewissen Situationen hilfreich. Denn oft ist es eine Glaubens- oder Vertrauensfrage ob man dem Wirt oder dem Verkäufer eines Brotes oder eines Nudelgerichtes das ‘ Ja, ja ist rein vegetarisch ohne Milch und Ei’ auch abnimmt und bestellt.
Inzwischen können gemäss diesem Artikel im Tages-Anzeiger die Arten-Zugehörigkeit von Tieren und Pflanzen mit einem Schnelltest genau bestimmt werden. Dies birgt wiederum Gefahren hinsichtlich Speziesismus, dass z.B. Tiere aufgrund ihrer genetischen Grundlagen anders/schneller behandelt (z.B. für die ‘Nutzung’ selektiert oder ausgemerzt) werden könnten.
Ein Strichcode für jedes Lebewesen
Tages-Anzeiger vom 31. Juli 2008 (Lifescience )
Fischarten auf dem Markt lassen sich mit einfachsten gentechnischen Methoden feststellen.
Ein Genschnipsel verrät, zu welcher Art ein Tier gehört. Forscher wollen so einen Katalog des Lebens erstellen – ein Projekt, das sich auszahlt.
Von Barbara Vonarburg, Barcelona
Immer wieder prallen Vögel mit Flugzeugen zusammen oder geraten in die Turbinen. Was für die Tiere tödlich endet, kann auch am Flugzeug teure Schäden anrichten. Die US-amerikanische Luftfahrtbehörde möchte deshalb wissen, welche Vogelarten am häufigsten mit Flugzeugen kollidieren. Denn kennt man die Art, kann man beispielsweise den entsprechenden Vogelzug in Erfahrung bringen und diesem ausweichen.
Ein Blutfleck genüge; damit könne man schnell herausfinden, um was für einen Vogel es sich gehandelt habe, sagt Paul Hebert. Der kanadische Biologe hat eine Methode entwickelt, mit der ein Computer anhand der Erbsubstanz die Art schnell und kostengünstig bestimmen kann. An einem europäischen Wissenschaftskongress, der diese Woche in Barcelona stattfand, erklärte der Forscher, wie das Verfahren funktioniert.
Die Analyse konzentriert sich auf ein einziges Gen. Es kommt bei allen Tieren in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, vor und heisst Cytochrom-Oxidase I, kurz COI. Bereits ein nur 650 Bausteine grosser Abschnitt von COI zeigt ein Muster, das für eine Tierart charakteristisch ist. «Barcode» nennt Hebert dieses Muster in Anlehnung an den Strichcode, der im Supermarkt das automatische Registrieren der Produkte ermöglicht. Automatische DNA-Sequenziergeräte würden einen solchen Barcode für ein paar Dollar liefern. Vergleicht man den Strichcode mit den Mustern in einer Datenbank, lässt sich so die Tierart bestimmen.
Schädlinge gezielt bekämpfen
Vor fünf Jahren stellte Hebert seine Methode erstmals in einer Fachzeitschrift vor. Seither baute er an der Universität von Guelph in Ontario ein Zentrum für die Bestimmung von Arten auf und gründete mit Kollegen die Vereinigung «Consortium for the Barcode of Life» (CBOL). Ihr gehören inzwischen rund 150 Organisationen aus 45 Ländern an, darunter die Schweizer Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil (ACW).
Forscher am ACW bestimmen den DNA-Strichcode von Schadinsekten und stellen ihn dem internationalen Konsortium zur Verfügung. Damit können andere Gruppen diese Schädlinge nachweisen, selbst wenn nur ein Ei oder ein Flügel des Insekts vorhanden ist. Dies ist beispielsweise bei Kontrollen an der Landesgrenze interessant. Stellt sich heraus, dass ein verdächtiges Insekt harmlos ist, müssen nicht ganze Wagenladungen von Obst oder Gemüse vernichtet werden. Zudem lassen sich so Insektizide viel gezielter einsetzen.
«Momentan sind wir an Blattläusen und Schildläusen dran», sagt Carole Enz vom ACW-Mediendienst. «Bei beiden Gruppen dieser Obstbaumschädlinge sind die einzelnen Arten von Auge schlecht voneinander zu unterscheiden.» Eine genaue Bestimmung ist aber wichtig, um die richtige Bekämpfungsmethode zu wählen.
Andere Forscher analysieren Genschnipsel der über 3400 bekannten Moskito-Arten. Das Ziel ist eine effizientere Bekämpfung von Krankheiten wie Malaria, die von bestimmten Stechmücken übertragen werden. «Moskitos sehen oft sehr ähnlich aus», sagt David Schindel, Sekretär von CBOL, das seinen Sitz bei der Smithsonian Institution in Washington hat. Dank des Strichcodes könne man mögliche Krankheitsträger schnell von harmlosen Insekten unterscheiden.
Die Forscher melden bereits einen ersten Erfolg: Von einer bestimmte Anophelesmücke wusste man, dass sie im Norden Brasiliens Malaria übertragen kann, im Süden des Landes dagegen nicht. Anhand des Strichcodes fanden die Biologen heraus, dass es nicht um eine, sondern um vier verschiedene Mückenarten handelt. Nur eine davon überträgt Malaria. Dies erklärt den geografischen Unterschied.
Biodiversität erfassen und erhalten
Heute gibt es bereits von rund 40 000 Tieren einen DNA-Strichcode. Bis in fünf Jahren sollten eine halbe Million Lebewesen auf diese Weise erfasst sein, sagt Hebert. Etwa 150 Millionen Dollar wird dieses Projekt kosten. Das sei wenig, verglichen mit den Grossprojekten in Astronomie oder Teilchenphysik, meint der Biologe. Und während Sterne und Teilchen noch lange existierten, würden viele Arten noch in diesem Jahrhundert aussterben.
Gut 1,7 Millionen Arten kennt man zurzeit. Insgesamt leben laut Schätzungen 10 bis 100 Millionen Arten auf der Erde. Das ehrgeizige Ziel von Hebert ist ein Katalog, in dem sämtliche Arten erfasst sind, und ein handliches Analysegerät, das den Strichcode vor Ort bestimmen kann – ähnlich wie der Tricorder, mit dem die Besatzung des Raumschiffs Enterprise im Sciencefiction-Film ihre Umgebung erkundete, meint Hebert. «Stellen Sie sich vor, Sie kennen den Namen jedes Tiers, jeder Pflanze, jedes Pilzes, jeder Lebensform an Ort und Stelle, augenblicklich, überall auf diesem Planeten», steht auf dem Prospekt, mit dem der Biologe für sein Anliegen wirbt. Damit könnte man die Artenvielfalt viel besser erfassen, verstehen und erhalten, glaubt er.
Doch seine Vision stösst nicht überall auf Zustimmung. Die Strichcodes lieferten bloss Information, aber kein Wissen, kritisierten zwei US-amerikanische Biologen in der Fachzeitschrift «Nature». «Die riesige Zahl von Barcodes wird uns nur sagen, was wir bereits wissen: Das Leben ist komplex.» Die Kritiker fürchten vor allem, dass für die herkömmliche Klassifikation der Organismen, die sogenannte Taxonomie, bald kein Geld mehr zur Verfügung steht. Erfahrene Taxonomen brauche es weiterhin, entgegnete CBOL-Sekretär Schindel. Nur sie könnten die neu gewonnene Information richtig einordnen.
Vergiftung aufgeklärt
Hebert ist überzeugt, dass das «Barcoder»-Handy Realität wird. Damit könnte der Gast in einem Restaurant beispielsweise feststellen, ob das Filet auf seinem Teller tatsächlich vom bestellten Fisch stammt. Bei gut 5000 von insgesamt knapp 30 000 Fischarten haben Forscher den Strichcode bereits bestimmt. Neben der Fischindustrie sind auch staatliche Organisationen an einer effektiven Kontrolle interessiert, zum Beispiel die US-amerikanische Gesundheitsbehörde. Sie nutzte die neue Technik im vergangenen Sommer, um die Ursache einer Nahrungsmittelvergiftung aufzuklären. Bei der Untersuchung der Reste einer Ladung Fisch aus Asien enthüllte der Strichcode, dass giftiger Kugelfisch importiert worden war.
Besonders gut funktioniere die Barcode-Methode bei Vögeln, sagt Hebert. Die meisten der rund 900 nordamerikanischen Vogelarten sind bereits erfasst. Dies half, als in in einem Restaurant ein toter Vogel entdeckt wurde. Mithilfe des Strichcodes fand man heraus, dass es sich um eine Art handelte, die nur in Kalifornien vorkommt. Der Vogel war offenbar mit dem Salat transportiert worden.
www.barcoding.si.edu
Kategorie: vegan.ch - Archiv




