vegan.ch Podcast Episode 19: Abolitionismus
Wir nehmen uns in diesem Podcast einem etwas komplexeren aber sehr aktuellen Thema an, welches in letzter Zeit viel zu reden gab. Es handelt sich dabei um den ‘Abolitionismus’.
Erwähnte Links im Podcast:
- ThomasD
- Schweizer Gemüse und Früchte Werbung Websites
- Einführung Abolitionismus
- Definition Abolitionism (englisch)
- Gary Francione Website & Deutsche Version
- Die unsinnigen “Pelz-frei” Labels
Kategorie: Podcast





Ich kann Francione (bis jetzt) nicht widersprechen. Hingegen finde ich bei Marcus, Regan oder Singer Inkonsequenzen oder sogar Widersprüche in ihren jeweiligen Theorien.
Der Abolitionismus muss jeden Tag, in jeder unserer Handlungen stattfinden. Wenn wir Frieden wollen, müssen wir Frieden machen und nicht kleinere Kriege.
Oder anders ausgedrückt, unsere Mittel müssen dem Zweck entsprechen. Alles andere ist meiner Meinung nach unglaubwürdig und – noch schlimmer – kontraproduktiv.
beschreibe doch die inkonsequenzen oder widersprüche, dann können wir auch daran teilhaben und uns ein bild davon machen?
Gern, aber kurz: Die größten Unterschiede, aus meiner Sicht und ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
Tom Regan beabsichtigt zwar die endgültige Befreiung, zieht in seiner Theorie jedoch einen Kreis um eine Gruppe von Lebewesen, nämlich die sog. “subjects-of-a-life”: “Normal mammalian animals, aged one or more, as well as human like these animals in the relevant respects, can intelligibly and nonarbitrarily be viewed as having inherent value”. Über Nicht-Säugetiere oder Lebewesen, die weniger als Jahr alt sind, macht er keine Aussagen. Im Allgemeinen sollen also Tiere (und auch Menschen), die bestimmte kognitive Fähigkeiten haben (nämlich die eines einjähriges Säugetieres), in unsere moralische Gesellschaft aufgenommen werden, d.h. sie dürfen nicht einer anderen Person und deren Interessen unterworfen werden.
Francione gewährt die Mitgliedschaft in dieser Gesellschaft allen empfindsamen Lebewesen, also ohne Rücksicht auf Spezies oder Alter. Er argumentiert, dass nur dieses eine Kriterium der “sentience” gültig sei, wenn es um die Frage des ethischen Umgangs miteinander ginge. Wenn wir als Grundsatz festlegen wollen “wir schlagen niemanden unnötigerweise, der ein Interesse an Schmerzfreiheit hat”, dann können wir unsere “Zielgruppe” nicht mehr nach Hautfarbe, Geschlecht, Spezies oder Alter definieren, sondern nur auf Grund der Frage, ob sie die Schläge spüren können.
Mehr zu Regan:
http://veganbookclub.wordpress.com/2007/07/09/regans-defense-of-mammals
Peter Singer hat an sich keine Einwände gegen die Verwendung oder die Tötung von Tieren durch den Menschen; zumindest sieht er diese nicht als das Hauptproblem. Er spricht sich zwar sehr engagiert gegen Massenhaltung aus, solange die Tiere aber “artgerecht gehalten” werden, darf sich der Mensch an ihren Produkten gütlich tun. Kein Wunder, dass Singer also nicht vegan lebt, was meiner Meinung die Grundlage für jeden Tierrechtler sein muss. Wenn ich die Interessen anderer Lebewesen achten will, kann ich sie nicht einsperren und essen.
Über sein Buch “Animal Liberation” sagt er: “The book is suggesting that we might be more effective by being somewhat more tolerant of people who consume animal products, if they’re thoughtful about where they came from and try to ensure that the animals have had a decent life.” (http://www.satyamag.com/oct06/singer.html)
Francione hingegen behauptet, dass Happy-Bio-Ökofleisch ein vermeintlich gutes Gewissen, damit noch mehr Tierleid und damit auch mehr Abstand von der Abschaffung aller Tierausbeutung bedeutet. Er ist der Meinung, der Mensch habe kein Recht, sich überhaupt in die Interessen der Tiere (Leben, Bewegung, Freiheit von Schmerz, Wahl des Futters und des Partners, …) einzumischen, ihre Nutzung zu menschlichen Zwecken sei – wie “human” auch immer – ethisch niemals zu rechtfertigen.
Mehr zu Singer:
http://veganismus.ch/foren/search.php?f=2&search=singer&glob=1&date=0&fldsubject=1&fldbody=1
Die Ansichten von Erik Marcus wurde in diesem Podcast schon besprochen, vielleicht gibt’s ja bei Gelegenheit eine Episode zu den Theorien anderer “Väter” der Tierrechtsbewegung?
Außerdem freue ich mich natürlich auch über weitere Hinweise, Kritik oder Meinungen.
danke für die ausführungen, die sehr informativ sind. ich habe schon bei allen diesen tierrechtlern etwas nachgelesen, aber noch nie ausführlich. Es erstaunt mich, dass Singer für die ausbeutung der tiere ist, sofern sie gut gehalten sind. Hätte ich nicht gedacht und für mich inakzeptabel. Von Marcus habe ich das buch “vegan, the new ethics of eating” wo er auch beschreibt wie er mit seiner frau viele tiere, vorallem nutztiere, aus schrecklichen umständen gerettet hat. Also neben theorie auch ein haufen praxis und sehr stimmig. von Francione weiss ich, dass er haltungsverbesserungen bei nutztieren, etc. ablehnt und grad direkt die abschaffung befürwortet. Ich denke das eine schliesst sich auf dem weg zum andern nicht aus und tiere werden jede erleichterung ihrer haftbedinungen schätzen. Ihr Leiden wird dadurch gemildert. Da ich nicht in schwarz/weiss denke ist mir wichtig zu erwähnen, dass ich alle die anstrengungen dieser vordenker schätze, die einen mehr als die andern, denn es zielt in die richtige richtung.
Neben den rechten der tiere studiere ich auch die frage: wie ist es möglich und was könnten die gründe sein, dass sich die einen menschen für tiere einsetzen und die anderen nicht und einige nur für bestimmte tiere. Die einen sehen in den tieren mitlebewesen, die auch leben wollen, etc., die andern sagen: das war immer so, man hat immer tiere gegessen, das muss so sein, das ist eben die natur, etc. Es sind kulturelle prägungen und die werden einem von den eltern und der gesellschaft aufgedrängt. die webseite: alice-miller.com zeigt in deutsch und englisch beiträge in den letzten 5 jahren von lesern/innen auf und was sie alles schreckliche in ihrer kindheit erleben mussten. Das sind gravierende prägungen, die sicher einen einfluss auf das gefühls- und empfindungsleben haben und auch auf die einstellung zum “andern” und zum tier haben. Im weiteren sind auch empfehlenswert die bücher von Carol J. Adams, die sich mit der Frau und ihrem verhältnis zum fleischessen und zu den tieren befasst. Der englische titel lautet: the sexual politics of meat und die deutsche übersetzung: Zum verzehr bestimmt. Einige werden sagen, das hat alles mit tierrechten nichts zu tun. Meiner meinung aber schon und ich kann nur empfehlen, die art und weise wie menschen mit tieren umgehen auch aus diesen perspektiven zu betrachten, es ist kein verlust sondern nur ein gewinn!
Ich habe dem Vortrag noch nicht gelauscht und bin froh diese Seite gefunden zu haben und bin für ein generelles Fleischverbot welches man parteilich erreichen sollte oder mit und in Zusammenarbeit mit Politikern um eine neue ethische zusammenlebensweise aufzubauen.
Das glückliche Iere besser sei zu essen empfinde ich als Perversion die entstanden ist also ich würde eher ein Tier von seinem leid befreien als es aus seinem glücklichm Leben zu Reissen und es aufzufressen. Mir ist auch schonmal ganz Deutsch fachlich ausgedrückt die Kotze hochgekommen als ich einen Mitmenschen neben mir sah der an einem Knochen nagte.
synonym “Jehova” der Tierfreund
Ich bin gespannt wie sich das entwickeln wird. bei der Sklaverei ging das nur mit Krieg. Heute wird es nicht leichter, aber hoffentlich gewaltlos gelöst.
Es ist wie vegan werden, “es fällt einen wie Schuppen von den Augen”.
Ein Witz:
Eine hochschwangere Frau sagt beim Metzger zur Verkäuferin: “Ich bekomme ein Kilo Gehacktes!”
Da sagt die Verkäuferin zu der Frau:”Oh, da gratuliere ich aber!”
Ist makaber ich weiss, aber lustig.
Martin
Ich glaube nicht, dass die tierhaltung auf einmal abgeschaftt werden kann.
die meisten menschen brauchen nun mal zeit für veränderungen. von daher bin ich schon dafür, dass man weiter versuchen sollte die lebensumstände der tiere zu verbessern.
einer "bio-kuh" geht es mit sicherheit sehr viel besser, als kühen in konventioneller haltung.
und bis zur abschaffung der tiernutzung, sollte man meiner meinung nach, die tiere nicht in solch qualvollen lebensumständen lassen, nur weil biofleisch esser evtl ein besseres gewissen haben.
die menschen die irgendwelches fleisch essen nehmen es sowieso hin, wies den tieren geht und denken meist nicht weiter darüber nach.
in gewisserweise verstehe ich die abolutionisten da nicht ganz (z.b dass sie meinen die arbeit der tierschützer ist sinnlos)
"Ich glaube nicht, dass die tierhaltung auf einmal abgeschaftt werden kann. "
Wer glaubt das denn?
"einer "bio-kuh" geht es mit sicherheit sehr viel besser, als kühen in konventioneller haltung."
Woher weisst Du das?
Dazu kommen die geringere "Produktionsleistung" und der durch "gutes Gewissen" gesteigerte Konsum (ja, das ist definitiv so, bspw. stieg in Deutschland seit dem "Käfigverbot" bei der Hühnerhaltung der Konsum deutlich an), also viel mehr ausgebeutete Tiere, nein, das ist im Sinne der Tierrechte ganz und gar nicht anzustreben.
"z.b dass sie meinen die arbeit der tierschützer ist sinnlos"
Diese Arbeit ist nicht sinnlos, nur nützt sie den Ausbeutern mehr als den "Nutztieren" und schadet somit den Tierechten. Ob gewollt oder nicht, ist die andere Frage.
Ich kann auf keinste Weise nachvollziehen mit welchem Irrglauben Tierschützer beseelt sind dass sie immer noch glauben dass wenn Tiere weniger gefoltert werden ihnen dann wirklich geholfen wird.
Die Tierhaltung ist das Problem und nicht WIE Tiere gehalten werden, sonst könnte auch Sklavenhaltung gutgeheissen werden indem das Argument bemüht wird sich gut um die Sklaven zu kümmern.
Tierschutz hilft den Tieren kein wenig, sie werden weiterhin ausgebeutet und ermordet, allein die völlige Abschaffung dieses Unrechts kann den Tieren zugute kommen.
was ist denn die vorstellung der abolitionisten wie die tiere befreit werden?
indem alle veganer werden?
das kann ja noch sehr lange dauern xD
ich merk es schon bei einigen leuten die die argumente der veganer nicht gleich abtun
und interessiert sind, und auch leid vermeiden wollen, aber irgendwie nicht in der lage
sind auf käse oä zu verzichten. o_O
Vegan zu werden ist eine logische Konsequenz nach Betrachtung aller Fakten und der heutigen Umstände.
Egal wie lange es nun dauern mag, nichts zu machen und zu resignieren ist Stillstand, die Hoffnung stirbt nie.
Wenn bei interessierten Menschen die Ideologie erstmal gefestigt wurde mit dem dazu notwendigen Wissen, werden auch die eigenen gelüste nach bestimmten Speisen sekundär erscheinen.