vegan . ch Podcast Episode 22: Klaus Petrus
In diesem Podcast begrüssen wir den Berner Sprachphilosoph Klaus Petrus zu einem Gespräch. Klaus Petrus ist Mitte letzten Jahres wegen seinen Äusserungen zum Abolitionismus und des Veganismus mehrfach in der Presse erschienen. Wir hatten darüber berichtet. Er spricht uns, und vielen modernen Tierrechtlern, aus der Seele und wir erfahren mehr zu Ihm und seinen Ein- und Ansichten rund um diese interessanten Themen.

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Erwähnte Links im Podcast:
- Erwähntes Interview mit Klaus Petrus in L’Hebdo (3. Juli 2008)
- und im Tages Anzeiger (7. Sept. 2008, pdf-Format 640 KB)
- Unser Podcast zum Abolitionismus
- Gary Francione Website & Deutsche Version
- Tom Regans Website
- meaning.ch
Kategorie: Podcast, vegan.ch - Archiv





Wieder mal eine sehr gute Episode, vielen Dank an alle drei!
Ja, bin auch dieser Meinung! Klaus Petrus hat eine klare Linie, macht aber gleichwohl Differenzierungen, wo nötig. Sehr sympathisch und für mich inspirierend. An zwei drei Stellen hätt ich gerne mehr gewusst. Zum Beispiel sagt Klaus, dass es Grenzen gibt beim Tierrechtsaktivismus: wo genau sind diese Grenzen? Auch würde mich interessieren, wie er sich das vorstellt, wenn er sagt, es wäre gut, wenn die Szene näher zusammenrückt: Gründung eines Tierrechtsvereins? Vegane Gesellschaft? Fände ich persönlich ganz gut …
Ich denke die Grenzen liegen ganz klar da, wo die Mittel des Aktivismus dem Zweck des Veganismus widersprechen. Oder anders gesagt: Durch Gewalt kann Gewaltlosigkeit nicht erreicht werden.
Körperliche oder verbale Angriffe auf Personen sowie unnötige Sachbeschädigung zum Beispiel liegen für mich jenseits dieser Grenzen.
Vielleicht kann jemand Klaus dazu überreden, hier in den Kommentaren nochmal Fragen zu beantworten?
Was würde eine Person unternehmen welche sich selbst grundsätzlich als friedfertig bezeichnet angesichts einer Situation in welcher jemand den diese Person liebt ein Messer an der Kehle hat und sie selbst den Eskalationsgrad der Lage nicht mehr steuern kann?
Den Aggressor streicheln bis er vom Opfer ablässt?
Nein, streicheln wird nichts nützen. Du beschreibst einen ziemlichen Extremfall. Ich glaube wir sprechen hier nicht mehr von Aktivismus oder Verteidigung der sozialen Gerechtigkeit, sondern von Notwehr.
Vielleicht springe ich aus dem Fenster in der zweiten Etage, wenn mein Leben in Gefahr ist, obwohl ich unter normalen Umständen die Grenze bei der ersten Etage ziehe.
Nun stell Dir die Person nicht als Menschen vor sondern als eines von Millionen von Tieren welches täglich für den Genuss eines degenerierten Mobs ermordet wird in einer Todesmaschinerie die derjenigen der Nazis noch weit überlegen ist.
Das war in der Tat ein Extremfall welcher da geschildert wurde, doch dieser findet in einem nicht zu tolerierendem Kontinuum statt ohne dass irgendwer dagegen aufmuckt.
“To the oppressed:
I am the angel of deliverance.
To the oppressor:
I am the angel of death.
So who I am depends on who you are!”
Ich habe die Analogie schon verstanden, und ich versuche mein Bestes, um positiv auf den Mob einzuwirken, aber Landwirte oder Schlachthausbesitzer habe ich noch keine umgebracht.
Wie nun weiter?
Natürlich ist es nicht im Sinne des Tierrechtsaktivismus ebenfalls Morde zu begehen, dies wäre der Sache nicht dienlich.
Bewusst wählte ich diese Art der Darstellung weil ich zuvor den Eindruck bekam dass ausnahmslos ALLE Aktionsformen die über das Verteilen von Flugblättern ausgehen missbilligt wurden. Ohne hierbei auf Details einzugehen gab es auch von diesen zahlreiche mit konkreten und fassbaren positiven Resultaten, die sind es ja die am Ende zählen.
Beispielsweise habe ich allergrössten Respekt vor Paul Watson und eine im selben Masse abgrundtiefe Verachtung vor all den reaktionären bürgerlichen Tierschutzvereinen welche ausschliesslich dem Zwecke dienen bestehende Missstände zu zementieren.
Hehe, dann sind wir uns ja einig. Watson geht zwar weiter als die allermeisten anderen Aktivisten, aber soweit ich weiss hat er Gewalt gegen Menschen noch immer abgelehnt.
Wäre ja auch zu schön, wenn wir das allgemeingültige Rezept für produktiven Aktivismus schon gefunden hätten
notiz für mich selbst:
… den mördern unbedingt noch einen flyer mitgeben …
“To the oppressed:
I am the angel of deliverance.
To the oppressor:
I am the angel of death.
So who I am depends on who you are!”
starkes zitat!
Es mögen viele und auch sehr verschiedene Formen des Widerstandes als wirkungsvoll angesehen werden, je nach Ziel bzw. der Zielgruppe die erreicht werden soll.
Alle können auf ihre eigene Art zu Erfolg führen sofern die Ausführenden sich selber gegenüber wie auch gegen aussen ehrlich bleiben.
Hallo mesiu: du schreibst, dass die Grenzen des Aktivismus klar da liegen, wo die Mittel dem Zweck des Veganismus widersprechen.
Was aber ist denn der Zweck des Veganismus? Gibt es nur einen Zweck, oder mehrere?
Für mich ist Veganismus z.B. auch ein Protest gegen Herrschaftsverhältnisse (Mensch über Tier). Ich bin auch absolut gegen Gewalt an Personen! Aber für mich ist gar nicht so klar, ob bei einem solchen Protest auch schon Sachbeschädigungen nicht sein dürfen. Sicher braucht man dafür gute Gründe, sie dürfen nicht “unnötig” sein (wie du schreibst). Aber warum sind Sachbeschädigungen schon Gewalt?
Ich kann natürlich nur für mich sprechen. Für mich ist Veganismus der Versuch, alles Leben zu respektieren und keine willkürlichen Unterscheidungen zu machen. Daraus ergibt sich schon die Ablehnung von Gewalt und Hierarchien. Wenn ich also den Veganismus mit Hilfe von Gewalt oder Ausnutzung von Herrschaftsverhältnissen propagiere (wie z.B. PeTA mit ihren nackten Frauen), widerspreche ich mir selbst und laufe Gefahr, unglaubwürdig zu erscheinen.
Wie man Gewalt gegen Sachen bzw. Personen definiert, sei mal dahingestellt, ich bezweifle aber, dass das Zerstören von Einrichtungen etc. zur Folge haben kann, dass daraufhin weniger Tiere leiden müssen. Wahrscheinlicher sind eher mehr Sicherheitsvorkehrungen, mehr Subventionen dafür und ein öffentliches Bild vom blindwütigen Terrorveganer. Denn weiterhin gilt: Was die Leute kaufen, wird produziert. Unglaubwürdig und zerstörerisch zu wirken wiederum kann nicht im Sinne unserer „Bewegung“ sein.
Es kommt wohl immer auf die Situation an, wie Mladen auch geschrieben hat. Allgemeine Aussagen zu diesem Thema sind vielleicht gar nicht zu treffen, und womöglich ist gerade die kreative Vielfalt der Proteste der Schlüssel, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Generell glaube ich aber, dass wir mit friedlicher, rationaler Aufklärung einer breiten Bevölkerung auf lange Sicht mehr erreichen als mit vereinzelten Attacken auf die Täter, die zwar ethisch minderbemittelt sind und uns barbarisch erscheinen mögen, die aber erst einen wirklichen Grund haben, die Ausbeutung einzustellen, wenn ihnen keiner mehr Geld dafür bezahlt.
Trotzdem muss ich anerkennen, dass mir einige Aktionen von Sea Shepherd oder der ALF eine gewisse Genugtuung bereitet haben, wenn nicht sogar neuen Auftrieb durch das Wissen, dass Menschlichkeit wohl doch noch nicht ganz ausgestorben ist.
Ich habe mich schon gefragt, wie die podcasts wohl weitergehen würden.
Diese neue Art des Interviews zeigt einen sehr interessanten und unterhaltsamen Weg auf der gefällt.
Es liefert mir auch Argumentationshilfen für Diskussionen und habe ich gute Argumente, wage ich auch eher die Disukssion.
Danke.