Fleischfreier Zivildiensteinsatz

04.10.2009 | 13 Kommentare

Aus gesundheitlichen, ethischen und ökologischen Gründen erkennen immer mehr Menschen die Vorteile einer vegetarischen/veganen Lebenweise. Von Prominenten, über Gastronomiebetriebe bis hin zu ganzen Städten setzen sich immer mehr Menschen für das Thema ein, und das vegetarische/vegane Bewusstsein verbreitet sich in die verschiedensten Bereiche der Gesellschaft. Vor kurzem habe ich sogar erlebt, wie der vegetarische Gedanke in den Schweizer Zivildienst Einzug hält. Hier ein Erfahrungs- und Informationsbericht dazu.

Was ist Zivildienst

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Für alle Militärdienstpflichtigen die das Militär nicht mit ihren Überzeugungen vereinbaren können, gibt es die Möglichkeit einen zivilen Ersatzdienst zu leisten. Für die Zulassung braucht es mittlerweilen (seit dem 1. April 2009) lediglich ein Gesuchsformular auszufüllen1. Zwar dauert der Zivildienst in Tagen 1,5 mal länger als das Militär, aber das Angebot an Einsätzen ist sehr vielfältig, interessant und die Einsätze können selber gewählt und organisiert werden. Mehr Infos zum Zivildienst unter www.zivi.admin.ch.

Konfliktprävention im öffentlichen Raum

Konfliktprävention Infofilm Grossansicht

Friedensschule Infofilm Grossansicht

Dieses Jahr hat die Gemeinschaft Schweizer Zivildienstleistender (GSZ) ein neues Einsatzprojekt namens „Konfliktprävention im öffentlichen Raum“ geschaffen. Dafür werden Zivildienstleistende z.B. von Gemeinden eingesetzt um auf der Strasse und im öffentlichen Raum ein friedliches Zusammenleben zu fördern. Einerseits geht es darum, durch Anwesenheit und Kontaktaufnahme mit Jugendlichen und der allgemeinen Bevölkerung präventiv zu wirken, und anderseits auch Konflikte aufzusuchen und deeskalierend und gewaltfrei einzugreifen. Als Vorbereitung dazu absolvieren die Zivildienstleistenden einen Kurs für gewaltfreie Konfliktlösung. Diese sogenannte „Friedensschule“ zählt als eigenständiger Zivildiensteinsatz und ist ein einwöchiges Lager in dem theoretische sowie praktische Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation und Konfliktprävention vermittelt werden.

Vegetarisches Zivildienstlager

Erfreulich an diesem Lager war nicht nur das interessante inhaltliche Angebot sondern auch die bewusste fleischlose Küche. Diese Entscheidung traf die Kursleitung sehr kurzfristig und die Teilnehmer erfuhren erst vor Ort, dass sie vegetarisch verköstigt werden. Alle waren überrascht und teils sogar leicht aufgebracht. Wie sich später in Diskussionsrunden herausstellte, störte aber nur die Tatsache, dass die fleischlose Verpflegung unangekündigt war. Für die Idee an sich schienen alle Teilnehmer grundsätzlich offen. Nicht zuletzt auch wegen dem ausgezeichnet leckeren Essen. Die Lagerköchin führte die Kursteilnehmer auf eine kulinarische Weltreise von der alle positiv beeindruckt waren. Von den bewusst und mit Liebe zubereiteten Gerichten aus Zentralamerika, Indien, den Kanarischen Inseln, vom Mittelmeerraum und auch der Schweiz wurden alle auf genussreiche Weise satt, ganz ohne dass dafür ein Tier sterben musste. Auch für mich als Veganer wurde sehr zuvorkommend gesorgt und wo nötig jeweils eine komplett tierleidfreie Version der Speise zubereitet.

Dieser vielversprechende Kurs für gewaltfreie Konfliktlösung bietet die Gelegenheit sich mit den Themen Gewalt und Frieden auseinanderzusetzen. Dazu gehört zweifellos auch eine Sensibilisierung bezüglich Ernährung. Für die zukünftige „Friedensschule“ möchte ich vorschlagen die Verpflegung sogar rein pflanzlich zu halten um das Thema möglichst widerspruchsfrei zu präsentieren. Weder kulinarisch noch finanziell wäre es ein bedeutender Mehraufwand, und für die Bewusstseinsförderung wäre es noch eindrücklicher und vor allem konsequenter (denn auch wegen der Eierindustrie werden männliche Küken getötet und in der Milchindustrie die männlichen Kälber der Kühe geschlachtet).

Auf jeden Fall ein herzliches Kompliment an die Lagerleitung und die Köchin für ihre verantwortungsbewusste und mutige Entscheidung fleischlos zu kochen. Meiner Meinung nach ist es ein bedeutender Fortschritt der in sonstigen staatlichen Angelegenheiten kaum vorzufinden ist. Es ist also sehr erfreulich zu sehen, wie sich das vegetarische/vegane Bewusstsein in die verschiedensten Bereiche der Gesellschaft verbreitet, und somit einen wesentlichen Beitrag zum Frieden und Wohlergehen der Menschen, der Tiere und der ganzen Welt leistet.

 
1 Zu vermerken ist, dass nur Diensttaugliche in den Zivildienst aufgenommen werden. Da Veganer seit dem 1. April 2009 als „untauglich“ für das Militär gelten, werden diese automatisch auch nicht mehr zum Zivildienst zugelassen. Wer Zivildienst leisten möchte sollte sich dessen an der „Aushebung“ also bewusst sein. Für Veganer die bereits im Zivildienst sind ändert sich nichts.

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Kategorie: vegan.ch - Archiv

Kommentare (13)

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  1. Sodela sagt:

    Naja…Veggie ist auch nicht besser als omni..aber schön,dass man auf dich wenigstens geschaut hat

  2. marietosca sagt:

    Veggie ist besser als Omni. Und auch ein Omni, der nur ein Mal pro Monat Fleisch ist, ist besser, als jemand der täglich Fleisch isst.

    Liebe Grüsse
    marianne (veganer)

  3. Mladen sagt:

    Veggies die täglich Milch, Eier und dergleichen konsumieren sind ganz eindeutig für mehr Tierleid verantwortlich als Personen die wenig Fleisch essen.

    Doch um jeglicher Erbsenzählerei zuvorzukommen erachte ich diese Tatsache als nicht allzu bedeutend in diesem Kontext, die Information soll ausschliesslich in die Richtung des totalen Verzichts auf Tierprodukte gehen, denn wer immer noch ein klein wenig Lust auf Körperteile oder die Ergebnisse von Tierleid hat wird weiterhin die Augen vor dem damit verbundenen unsäglichen Unrecht verschliessen.

  4. Die Reaktion der Lager-Teilnehmer zeigt, dass viele Vorurteile gegen die vegetarische / vegane Ernährung nur im Kopf und durch unsere Erziehung bedingt sind. Viele Menschen werden beim freiwilligen oder zwangsmässigen Versuch, auf pflanzliche Nahrung umzusteigen, angenehm überrascht. Sie rechnen im Vorfeld mit einer faden Kost, erfahren dann aber reichhaltige und geschmackvolle Gerichte.

    Dass Veganer automatisch als militäruntauglich gelten, wusste ich nicht (danke für die Info). Das ist der traurigste Witz den ich jemals gehört habe…

  5. Sodela sagt:

    das ist das beste was ich jemals gehört habe!

  6. Marco sagt:

    dito

    der militärdienst ist imho nicht mit dem veganen gedankengut vereinbar, da es bei der armee nicht um selbstverteidigung geht (welche meiner meinung nach durchaus vertretbar wäre).

  7. Mladen sagt:

    Voll korrekt, denn in der Armee wird den Leuten beigebracht möglichst effizient zu morden, hat mit einer veganen Einstellung nichts gemeinsam.

  8. becks sagt:

    Im WK wird den Leuten gar nichts mehr beigebracht, hab mich deshalb auch abgemeldet.

  9. @Marco sagt:

    In der Schweizer Armee geht es an sich um nichts anderes als Selbstverteidigung und Friedenserhaltung. Aber es muss ja noch nicht mal Militärdienst leisten wer nicht will. Ein Veganer darf aber, da er per Definition untauglich sein soll, nicht mal Zivildienst leisten, denn auch dafür muss man diensttauglich sein.
    Die Deppenweisung war übrigens eine der letzten Untaten von BR Schmid. Dort hiess es, dass Untergewichtige, Veganer und HIV-Positive untauglich seien… Immerhin werden Veganer mit einem illustren Grüppchen in die gleiche Schublade gesteckt. Da kann man sich als Veganer natürlich zu recht freuen. Dass ein Veganer sowieso nie ins Militär würde, da er ohnehin das ganze Lederzeugs nicht nähme hat Herr Schmid wohl auch nicht bedacht. Die Weisung ist schon daher restlos bescheuert.

  10. Mladen sagt:

    Ob nun WK oder die übrige kriegsausbildung, es spielt absolut keine Rolle da jede Armee ausschliesslich auf’s Morden aus ist.

    Diesen Unsinn zu verhindern oder zu verweigern ist das einzig konsequente statt die Gehirnwäsche der Generäle über sich ergehen zu lassen und im Schlamm zu kriechen und auf Befehl eines mordlüsternen Deppen andere Leute zu ermorden.

  11. Marco sagt:

    > In der Schweizer Armee geht es an sich um nichts anderes als Selbstverteidigung und
    > Friedenserhaltung.

    ja was denn nun? im friedensfall (den wir in der schweiz ja nun doch schon eine weile haben) kann es ja per definition nur um zweiteres gehen. und dass dies mit mordwaffen am besten funktioniert, wage ich ernsthaft zu bezweifeln.

  12. Mladen sagt:

    Auch die Schweizer Armee (wie auch jede andere) ist indoktriniert von Militaristen welche gehirnmanipulierte Menschenmassen befehligen die auf Anordnung morden.

    Statt sich weiter hochzurüsten mit Tod und Verderben bringendem Kriegsgerät sollte die Armee vollständig aufgelöst werden wodurch Riesensummen an Geld frei würden für wirklich sinnvolle Zwecke.

  13. Mladen sagt:

    Ausserdem ist die Schweiz noch zu keinem Zeitpunkt imstande gewesen sich gegen Angriffe von aussen zu schützen, diese Fantasie besteht nur in den Betonköpfen der Generäle.

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