Umsatzrekord bei Fleischverarbeiter Bell
Der grösste Fleischverarbeiter der Schweiz hat für das letzte Geschäftsjahr ein Rekordergebnis vermeldet:
“Die Fleischgewinnung bei den Schlachttieren erhöhte sich um über 8 Prozent auf 4’7487 Tonnen. Das Absatzvolumen wuchs um 2 % auf 122,3 Mio. kg.” (Geschäftsbericht 2009)

Nach der misslichen Werbung mit Beat Schlatter aus dem letzen Jahr, tritt die Firma nun mit dem Slogan
‘Gefährlich gut: Die neuen Fleischsnacks‘
und einer ähnlich widerwärtigen Figur auf dem Werbemarkt auf.
Gefährlich sind diese Snacks sehr wohl – für die Tiere die dafür unnötigerweise sterben müssen und die Gesundheit deren Konsumenten.
Kategorie: Stammtische, vegan.ch - Archiv





Tia, Menschen gibt’s, die halt keinen einzigen Tag ohne ihre St.Galler-Wurst oder ihr Zürigschnätzlets durchstehen können. Gehört halt schon zur Esskultur dieses Landes.
Andererseits gibt es auch positive Trends, wie z.B. Gemüsebouillon vs. Fleischbouillon (Kassensturz test vom 19.01.2010) oder auch der fixe Platz von Sojamilchtetras in allen Migros-,Coop-und Spar-Filialen. Im heutigen ’20 Minuten’ wurde auf einer halben Seite sogar Werbung für makrobiotisches Essen gemacht: Tofu, Gemüse, Früchte und Vollkornprodukte thumbs up; Tierische Lebensmittel und Zucker thumbs down.
> Im heutigen ‘20 Minuten’ wurde auf einer halben Seite sogar
> Werbung für makrobiotisches Essen gemacht: Tofu, Gemüse,
> Früchte und Vollkornprodukte thumbs up; Tierische
> Lebensmittel und Zucker thumbs down.
Nur ist makrobiotische Ernährung (meines Wissens) nicht zwingend vegan und auch ziemlich esoterisch angehaucht, das heisst, selbst wenn sie Veganismus propagieren würde, würde das diesem eher schaden, da es mit Aberglauben und Halbwissen assoziiert werden würde (was ja auch jetzt schon viel zu oft der Fall ist). Und in dem Text stand auch, dass wer sich über längere Zeit makrobiotisch ernährt, einen Ernährungsberater aufsuchen sollte. Das scheint mir keine besonders gute Werbung zu sein.
Zum Kotzen!
Einerseits ist zwar Veganismus im Trend:
http://www.sonntagszeitung.ch/trend/
Andererseits dann sowas.
Auch der Trend, Fleisch in neuen Formen noch mehr unter die Leute zu bringen (“don’t call it Schnitzel” oder diese Fleischsnacks) machen mir Sorgen.
es heisst im sonntags zeitung artikel :
dass Sandra Forster, die auch ein veganes kochbuch geschrieben hat, und bereits 4 vegan/vegi restaurants in münchen führt und nun ein 5 neues im märz eröffnen will.
folgend der text:
“Im März eröffnet Sandra Forster ein neues veganes und vegetarisches Restaurant im Münchner Künstlerhaus. Einen hervorragenden vegetarischen Koch aus Zürich hat sie dafür schon gefunden. Einen Kompromiss musste sie zähneknirschend eingehen: Im ersten Stock wird es eine Grill-Bar geben. Mit Fleisch. «Das Haus ist leider viel zu gross, um dort nur Veganes und Vegetarisches anzubieten.» Und sie hofft natürlich: noch.”
Also als veganerin hat sie das gefühl einen kompromiss eingehen zu müssen (obwohl sie sicher niemand dazu zwingt) und im ersten stock des restaurants
fleisch anbieten zu müssen !!!! Auch zwingt sie niemand ein so grosses neues restaurant anzumieten. Da zeigt sich wohin veganismus führt, wenn er nur auf der basis gesund und trendy (plus das geld winkt) abgestützt ist und nicht ethisch.
Ich verstehe den Artikel folgendermassen:
Im selben Haus sind mehrere Lokale eingemietet. Natürlich wäre es Sandra Forster lieber dort allein zu sein mit ihrem veganen Gastroangebot statt sich das Objekt noch mit Leichenverwertern teilen zu müssen.
Auf gar keinen Fall würde eine vegan lebende Person des Geldes wegen selbst Körperteile verticken, das geht ja überhaupt gar nicht.
so klar ist das eben nicht, den an anderer stelle steht :
“sie sitzt im Roecklplatz, es ist das jüngste projekt, das sie MITbegründet hat. Es ist ein sozialprojekt ………..etc., trotzdem steht fleisch auf der speisekarte”
Das Sozialprojekt kann gesondert vom Zerwirk betrachtet werden, da ist das Problem doch eher darin zu finden dass eine Ausbildung als Koch/Köchin genauso wie hierzulande die Zubereitung von toten Tieren miteinbezieht. Noch gibt es keine Lehrplätze für Kochausbildungen ohne Tierprodukte.
Vielleicht weiss irgendwer sonst mehr verlässliche Details zu diesen Sachverhalten, alles bisher waren ja eher Mutmassungen.
Doch was den eigenen Veganismus betrifft kann eine solche Haltung nur als inkonsequent angesehen werden, ein absolutes no-go.
Zur Ergänzung:
Die Lust am Gemüse
Veganes Essen kann so sexy sein. Die Münchner Gastronomin Sarah Forster setzt in ihren Restaurants auf fleischlos – und das ganz ideologiefrei
von Kathrin Hartmann
Es gibt diese Sätze, die Fleischesser ständig zu hören glauben. Sätze von Vegetariern und Veganern, solche wie diesen: «Es muss aufhören, dass Tiere unseretwegen versklavt und umgebracht werden.» So ein Satz gilt dann als Beleg dafür, dass Vegetarier den Nichtvegetariern das Essen verderben mit ihrem moralischen und sentimentalen Tiergedöns. Sandra Forster sagt solche Sätze nur, wenn sie danach gefragt wird. Schliesslich ist ihr Anliegen, die vegane Ernährung von ihrem lustfeindlichen Image zu befreien. Sie will zeigen, dass vegane Küche – jawohl – sexy ist. Bevor jemand auf die Idee kommt, den Kopf zu schütteln: Die 35-Jährige ist damit sehr erfolgreich. Und das in München, der Hauptstadt von Schweinsbraten und Weisswürsten.
Ihr erstes Restaurant war früher eine Wild-Metzgerei
Sandra Forster ist Szenegastronomin und Mitbegründerin von fünf Klubs und Restaurants. «Was sie anfasst, wird cool», konstatierte ein Stadtmagazin. Das ist tatsächlich so, seit Forster vor fünf Jahren ein veganes Restaurant eröffnete, das Zerwirk. «Zerwirken» ist der Fachausdruck für das Zerlegen von Wild. Ironischerweise befand sich das erste vegane Restaurant Deutschlands in einem historischen Gebäude, in dem früher Tiere gemetzelt wurden. Einen Koch zu finden, der nur vegan kocht, und das auf Gourmet-Niveau, war damals einigermassen schwierig. Die Gäste aber kamen. Auch wenn manche, die von Veganern hingeschleppt wurden, skeptisch blieben. «Gibt es hier Schweinebraten?», «Gehen wir noch zu McDonald’s?», «Wir essen den Tieren das Futter weg!» – das sind «so dämliche Sprüche, die ich mir heute noch manchmal anhören muss». Sandra Forster klingt gelassen, wenn sie das sagt. Sie will ja nicht missionieren, sondern schicke und leckere Alternativen anbieten.
Genauso funktioniert Sandra Forsters veganes Kochbuch – in Leinen gebunden, die Gerichte charmant und mit farbschönem Retro-Appeal inszeniert von der Illustratorin Sandra Illenberger. «Lächeln hilft», heisst Forsters Beitrag im Buch, in dem sie von der Gratwanderung erzählt, vegan zu leben, ohne zu nerven.
Der Vegetarismus ist ja längt keine Ausnahmeernährung mehr. Vorbei die Zeiten, als man in Gaststätten entweder die Beilagen oder das Fischgericht als fleischlose Alternative empfohlen bekam. Keiner verspottet den Vegetarier als Müsli oder Gutmenschen, spätestens, seit Hollywoood-Stars wie Gwyneth Paltrow, Julia Roberts oder Keanu Reaves sich öffentlich zum fleischlosen Leben bekennen. 300 vegetarische Restaurants soll es allein in Los Angeles geben. Der Vegetarier ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen – allein schon, weil er mit der Gesundheit befasst ist. Das sind schliesslich derzeit alle. Und: Der Vegetarismus ist ideologisch unverdächtiger. Eine vegane Ernährung hingegen – keine Milchprodukte, keine Eier, für manche auch keinen Bienenhonig – ist im Alltag noch immer schwierig. Vor allem ist der Veganismus eine konsequente Gewissensentscheidung, immer auch ein politisches Statement. Wohl deswegen bezeichnen Fleischesser mit schlechtem Gewissen den Veganismus, die friedlichste Ernährungsweise von allen, oftmals als «militant».
Das Kochbuch, sagt Forster, solle auch ein «Laboratorium für eine Küche der Zukunft» sein. Dort finden sich deshalb nicht nur Rezepte für Erbsensuppe mit Minze oder Tofu-Spinat-Canelloni, zubereitet von den ehemaligen Zerwirk-Köchen. Sondern eben auch Essays zu den ökologischen und ethischen Hintergründen des Veganismus. Trotz der ethischen Statements, die der Verlag eigentlich lieber nicht drucken wollte. Aus Angst, die Leser zu verschrecken. Sie war unbegründet – das Kochbuch erscheint bereits in zweiter Auflage.
Noch gibt es keine Lehre für ausschliesslich vegane Küche
Es verwundert kaum: Seit im Zuge der Klimadebatte der Lebensstil der westlichen Welt zunehmend infrage gestellt wird, steht auch der Fleischkonsum zur Diskussion. Weltweit werden jedes Jahr 53 Millionen Tiere geschlachtet, das Gros aus Massentierhaltung. Nach dem World Watch Institute sollen die weltweit gehaltenen Nutztiere für mindestens 51 Prozent der klimaschädlichen Gase verantwortlich sein. 30 Prozent der eisfreien Flächen der Erde werden für Viehhaltung in Anspruch genommen. Der weltweite Fleischkonsum ist von 1961 bis heute von 71 Millionen auf 284 Millionen Tonnen gestiegen, bis 2050 könnte er sich verdoppeln. Dann werden die Tiere so viel Getreide fressen, wie man bräuchte, um vier Milliarden Menschen zu ernähren.
Sandra Forster freut sich über die Debatte. Die Zahlen, die Fakten, das alles sei zwar längst bekannt, «es wollte nur keiner wissen. Das geht jetzt nicht mehr.» Sie sitzt im Roecklplatz, es ist das jüngste Projekt, das sie mitbegründet hat. Das Restaurant liegt am Rand des Münchner Schlachthofviertels, nur einen Steinwurf von hier verkehren die Viehtransporter, mit Schweinen und Kühen beladen verschwinden sie hinter den Backsteinmauern, leer fahren sie wieder heraus. An heissen Tagen wabert ihr Geruch durch das Viertel, das sich anschickt, Münchens neuer Szenebezirk zu werden. Das schöne Restaurant ist ein Sozialprojekt, in dem benachteiligte Jugendliche, die kaum Chancen haben, eine Lehrstelle zu finden, in Küche und Service ausgebildet werden. Auch das ein Ansatz, der die Welt besser machen soll. Sie lernen hier zwar auch veganes und vegetarisches Kochen, trotzdem steht Fleisch auf der Speisekarte. «Klar hätten wir es hier lieber auch ohne, aber der Ausbildungsplan sieht das nicht vor», sagt Forster. «Wer weiss, das ist vielleicht in zehn Jahren anders. Die Zeit spielt uns in die Hände.»
Forster holt einen Spezialisten für vegane Küche aus Zürich
Zunächst ist es erstmal so, dass sich zeitgleich eine trotzige Gegenbewegung formiert. Im Oktober brachte Gruner + Jahr Beef auf den Markt, ein archaisches Männer-Kochmagazin, in dem von Steaks geschwärmt wird, als gelte es, mit dem Fleischverzehr gleich die männliche Existenz zu retten. Ist das nur ein letztes Aufbäumen, eine Art Fin de siècle für einen Lebensstil, der nicht mehr aufrechtzuerhalten ist? Immerhin: «Im deutschsprachigen Raum geht der Trend zum klimafreundlichen Essen», sagt Hanni Rützelt vom Zukunftsinstitut von Matthias Horx. Und das würde bedeuten: weniger Fleisch. So gibt es sogar schon eine neue Vegetarierkategorie: Den Klima-Vegetarier, der zudem noch auf eingeflogenes Obst und Gemüse verzichtet.
Im März eröffnet Sandra Forster ein neues veganes und vegetarisches Restaurant im Münchner Künstlerhaus. Einen hervorragenden vegetarischen Koch aus Zürich hat sie dafür schon gefunden. Einen Kompromiss musste sie zähneknirschend eingehen: Im ersten Stock wird es eine Grill-Bar geben. Mit Fleisch. «Das Haus ist leider viel zu gross, um dort nur Veganes und Vegetarisches anzubieten.» Und sie hofft natürlich: noch.
Sandra Forster: Das vegane Kochbuch, Blumenbar-Verlag, mit Beiträgen von Rainer Erlinger, Sandra Forster, Sharon Cannon, Michi Kern und Hilal Sezgin.
Buch bestellen (ca CHF 42.-) bei buch.ch
http://www.kuenstlerhaus-muc.de
http://www.roecklplatz.de
Publiziert am 31.01.2010
von: sonntagszeitung.ch