Die Kälber in der Wurst

08.07.2011   |  1 Comment   |   Kategorie: Ethik, vegan.ch - Archiv

Schweizerinnen und Schweizer haben eine besonders liebevolle Beziehung zur Kalbsbratwurst. Jeder meint er wisse wo die beste herkommt und wie sie am besten zubereitet wird. Unweit jeder Festbank gibt es dieses Stück, meist halbverkohlt, im Angebot und erfreut gross und klein solange genügend Senf und ein “Bürli” dabei sind.

Gedanken über was in dieser bleichen Wurst alles enthalten ist machen sich die wenigsten. Abgesehen davon, dass immer auch Fleisch von anderen Tieren darin enthalten ist (etwa von Kaninchen, Hühnern, Schweinen oder Schafen) muss die Hälfte der Fleischmasse von Bindegewebe der Kälbern stammen. Und natürlich weiss muss die Wurst sein. 

Ob die weisse Farbe den Eindruck von Unbeflecktheit, Reinheit oder Sanftheit bedeutet ist nicht wissenschaftlich belegt. Klar ist jedoch, dass das Fleisch von Kälber oder Produkte die aus toten Kälber hergestellt sind scheinbar weiss sein müssen. Das weissliche Fleisch wird dadurch erreicht, in dem das Kalb vom ersten Lebensmoment an davon abgehalten wird sich zu stark zu bewegen und zusätzlich mit es mit einem speziellen Futter zwangsernährt (die Milch trinken ja die Menschen). Wenn das Fleisch also rosa oder sogar rot ist, wird das Fleisch solcher Tiere billiger verkauft und der Mäster erhält dafür weniger Geld.

Übrigens findet der Tierschutz rosa auch gut. Der Schweizer Tierschutz setzt sich sogar dafür ein, dass vermehrt auch rosa Kalbfleisch gegessen werden soll. Die Preispolitik solle sich ändern um den Kälbern vermehrt Auslauf und Rauhfutter zu geben. Oder sie behaupten, dass die KonsumentInnen gar keinen Unterschied machen hinsichtlich der Frage nach der Farbe und erfreuen sich einem Konsens mit dem Kälbermästerverband.

Farbtaxierung? Geht es hier denn wirklich um die Farbe des Fleisches dieser Tiere? Lohnt es sich dafür einzusetzten den Konsum eines minderen Übels zu propagieren? Eine Kampagne zur Umgewöhnung der KonsumentInnen zu unterstützen? Ist dem Schutz der Tiere gedient wenn Sie etwas Auslauf erhalten? Geht es hier eigentlich um die Farbe der Wurst oder die Zerstörung eines Lebewesens?

Tatsache ist, dass bevor sie ein halbes Jahr alt sind die Kälber als eigentliche Kinder getötet werden. Von ihrer Mutter haben sie nach der Geburt meist niemals etwas gesehen. Auch in Mutterkuhaltung wird die Beziehung jäh zerstört und das Kalb wird nach nur einem Bruchteil seiner möglichen Lebenszeit vernichtet.

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Kommentare (1)

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  1. Marco C. sagt:

    “Schweizer Tierschutz setzt sich sogar dafür ein, dass vermehrt [...]fleisch gegessen werden soll.”

    Nuff said!

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