Saft und Wein – Alles klar?

14.09.2012   |  8 Kommentare   |   Kategorie: Konsum, News

Getränke sind nicht automatisch vegan. Fruchtsäfte und Weine können mit tierlichen Hilfsmitteln wie Hausenblase (Schwimmblase von Hausen, Stören oder Welsen), Gelatine, Proteinen aus Milch (Kasein) oder Eiern (Ei-Albumin) geschönt worden sein.

Das Schönen der Säfte und Weine dient dazu, sie zu klären, Trübstoffe zu entfernen und sie biochemisch zu stabilisieren. Es gibt eine Reihe Verfahren ohne tierlicher Substanzen wie Bentonit, Kohle, Papier etc. Die Wahl des Verfahrens kann je nach Wein und Jahrgang variieren.

Mengenrelation

Bei der Eiweissschönung mit Albumin werden auf 100 Liter Wein 3 Eier verwendet. Bei der Schönung mit Gelatine sind es 5 bis 30 Gramm. Der Hilfsstoff wird nach dem Prozess entfernt.

Vegane Weine kaufen

Aktuell ist für die VerbraucherInnen in den meisten Fällen nicht nachvollziehbar, ob es sich um einen veganen Wein handelt oder nicht. Zunehmend mehr WeingrosshändlerInnen kommen angesichts vermehrter Anfragen der Forderung nach Transparenz nach und kennzeichnen ihre Weine. In der Schweiz sind das u.a.:

Eine Liste in der Schweiz erhältlicher veganer Weine findet sich auch in der Facebook Gruppe “vegane Produkte Schweiz” (bei den Gruppen-Dateien)

Gesetzliche Lage

Seit dem 1. Juli müssen in der EU Weine, die mit eiweisshaltigen Schönungsmitteln bearbeitet worden sind, gekennzeichnet werden. Für bestehende Weingüter gilt eine Übergangsfrist bis zur Erschöpfung der Vorräte. In der Schweiz gibt es ein solches Gesetz noch nicht, aber es ist zu erwarten, dass sich die Branche anpasst.

Hausenblase und Gelatine sind von dieser Kennzeichnungspflicht allerdings nicht betroffen.

Fruchtsäfte

Während sich beim Wein Bestrebungen in Richtung Transparenz abzeichnen, ist die Situation bei Fruchtsäften nach wie vor oft unklar. Grundsätzlich gilt: Klare Säfte sind so gut wie immer mit Gelatine behandelt worden und bei Multi-Vitamin-Säften wird in der Regel Fischgelatine als Trägerstoff für Vitamin A eingesetzt; dieses befindet sich auch noch im Endprodukt.

Tricky wird es, wenn im Naturtrüben Apfelsaft ein Anteil klarer Birnensaft enthalten ist. Dieser ist dann meistens unvegan gefiltert. In seltenen Fällen wird auch der naturtrübe Saft zunächst mit Gelatine gefiltert, um ihn anschliessend gleichmässig zu trüben.

Folgende Säfte von Coop sind laut KonsumentInnendienst (August 2012) vegan:

  • Orangensaft, Bio und konventionell
  • Traubensaft, konventionell
  • Grapefruitsaft, Bio und konventionell
  • Ananassaft, konventionell

Folgende Säfte von Migros sind laut KonsumentInnendienst (August 2012) vegan:

  • Bio Biotta Säfte (exkl. Säfte mit Molke und Traubensaft)
  • Sarasay Fruchtsäfe (exkl. Sarasay Exotic Islands)
  • Bio Apfelsaft 1.5L
  • Bio Apfelschorle 0.5L
  • Traubensaft rot 1L

Essig (nachträglich hinzugefügt)

Essig, der auf Basis von Wein oder Obstsaft hergestellt wird, kann potentiell auch unvegan sein.

Folgende Essig von Coop sind laut KonsumentInnendienst (September 2012) vegan:

  • Coop Eigenmarken Essige (exkl. Apfelessig mit Honig)

Folgende Essige von Migros sind laut KonsumentInnendienst (September 2012) vegan:

  • Ponti
  • Giacobazzi

Transparente Kennzeichnung gefordert

Foodwatch geht das Thema derzeit in Deutschland verstärkt an und hat eine E-Mail Aktion zum Thema versteckte Tiere lanciert. Teil der Aktion ist auch das Youtubevideo “Was macht das Schwein im Saft“.

Wir seitens VGS stellen in den letzten Monaten und insbesondere in den letzten Wochen ein verstärktes Interesse an der Thematik fest und schliessen uns der Forderung von Foodwatch an: Schluss damit, wir wollen eine transparente Kennzeichnung!

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Kommentare (8)

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  1. Gentech Glace (Speiseeis) | Pro Welt | 11.11.2012
  1. Scharka Cernochova sagt:

    Danke für diesen klärenden Artikel!

  2. Nell Andris sagt:

    Laut Renato Pichler, SVv sind die Biotta Säfte nicht vegan.

  3. Marielle (VGS) sagt:

    Hi Nell, merci für den Hinweis! Ich habe nun bei Biotta angefragt, um die Aussage der Migros zu bestätigen. Die Säfte mit Molke sind natürlich nicht vegan und beim Traubensaft sind sie zwar dran, er wird aber offenbar zur Zeit tatsächlich noch mit Gelatine geklärt – sie sind dran das zu ändern.
    Ich habe das im Artikel angepasst und Migros eine Info geschickt. Liebe Grüsse, Marielle

  4. Cheesy sagt:

    Eine Freundin hat neulich bei einem Weinhändler folgende Auskunft erhalten – kann man dem Glauben schenken?

    “Die laut Weingesetz zugelassenen Schönungsmittel wie Fischblasen, Eier, Gelantine etc. werden heute in einem modernen Kellereibetrieb kaum noch verwendet, da natürliche, mineralische Klärmittel zur Verfügung stehen.

    Zur Klärung des Weines werden heute ausschließlich sogenannte Bentonite eingesetzt. Hierbei handelt es sich um gereinigte Tonerde, die durch ihren Quellvorgang und das langsame Absetzen am Grund des Fasses gelöste Stoffe, die möglicherweise später eine Trübung des Weines verursachen können, aufnimmt und fest hält.”

  5. Marielle (VGS) sagt:

    Hi Cheesy, diese Aussage entspricht (noch) nicht der Realität. Wenn du magst, kannst du mir gern die Kontaktdaten des Weinhändlers zukommen lassen; würde mich interessieren, wie er darauf kommt.

  6. Timo sagt:

    Hallo zusammen!

    Ich befinde mich gerade im 3. Lehrjahr im Beruf des Winzers. In meiner Lehrzeit bin ich zwischen drei verschiedenen Betrieben gewechselt. Mit Ausnahme von einem haben alle Betriebe tierische Klär- und Schönungsmittel benutzt, z.B. Gelatine und Kasein. Gerade Gelatine ist ein beliebtes Klärhilfsmittel, da es sehr effektiv ohne ungewünschte Nebenwirkungen ist. Fischblasen werden dahingegen kaum noch verwendet.

    Verbreitete nicht-tierische Hilfsmittel sind z.B. Kohle um geschmackliche Fehler zu beheben oder Bentonit (ein spanisches Gestein), welches wie Gelatine ein Klärhilfsmittel ist.

    Zur Kennzeichnung: nun ist es tatsächlich so in der EU festgelegt worden, dass Weine, welche mit Stoffen bearbeitet wurden, die allergische Reaktionen auslösen können gekennzeichnet werden müssen. Hierbei gibt es nur ein großes Problem (ich spreche für Deutschland): es gibt so gut wie kein Weinlabor, welches Weine auf tierische Eiweiße hin analysiert. Zudem gibt es auch noch kein zertifiziertes Siegel für diese Norm.

    Man kann gespannt sein, wie sich das entwickelt. Dürfte für die WinzerInnen jedenfalls interessant werden, wenn sie ihrem Kundenstamm plötzlich erklären müssen, warum auf den Flaschen “Kann Spuren von Ei und Milch enthalten” steht.

    Beste Grüße,

    Timo

    • Diego (VGS) sagt:

      Hallo Timo

      Super, danke dir für deine hilfreichen Informationen!

      Ich hoffe, wir dürfen uns im Falle von Fragen an dich wenden.

      Liebe Grüsse
      Diego

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